ALOTA 2020

Am Montag beginnen die diesjährigen Alternative Orientierungstage Jena 2020. Wir sind wie auch in den vergangenen Jahren mit einigen Veranstaltungen vertreten. Da alle Veranstaltungen Pandemie-bedingt online durchgeführt werden und nicht über ein Booklet o.Ä. beworben werden können, wollen wir hier noch einmal explizit auf unsere Vorträge und Workshops eingehen. 28.10 13 Uhr – ALOTA 2020 … ALOTA 2020 weiterlesen

Jeja Klein – Zum Fortleben sexueller Gewalt in aufgeklärten und linken Kreisen

23.10.20 / 18-21 Uhr – Carl-Zeiss-Straße 3, Hörsaal 2 Aufgeklärte Kreise und linke Milieus gerieren sich gern als Gegenpol zu Phänomenen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Antisemitismus. Schilder in linken Läden lassen etwa verlauten, Sexismus werde hier schlicht nicht geduldet. Doch warum hält sich etwa sexuelle Gewalt so hartnäckig in diesen Kreisen? Davon zeugen nicht … Jeja Klein – Zum Fortleben sexueller Gewalt in aufgeklärten und linken Kreisen weiterlesen

Kim Posster – “Kritische Männergruppen”

16.10.20 / 18-21 Uhr – Carl-Zeiss-Straße 3, Hörsaal 2 Auf den ‘eigenständigen Männerstandpunkt’ ist kein Verlaß”, resümierte ein Aktivist der autonomen, pro-feministischen Männerbewegung 1995 seine sechsjährige Erfahrung in organisierten Versuchen von cis Männern, sich mit Feminismus in ein Verhältnis zu setzen und aktiv Patriarchatskritik zu betreiben. Trotz aller Widersprüche und Zweifel schließen seine Ausführungen mit … Kim Posster – “Kritische Männergruppen” weiterlesen

Kundgebungen gegen Antisemitismus und rechten Terror

Vor einem Jahr hat ein Neonazi, Antisemit und Rassist in Halle/Saale die Synagoge, einen Dönerladen sowie Passant:innen angegriffen, mehrere Menschen verletzt und zwei ermordet. Als FAU Jena unterstützen wir die von den Falken Jena initiierte Gedenkkundgebung am 9. Oktober 17 Uhr auf dem Holzmarkt in Jena (zur facebook-Veranstaltung). Hinweisen möchten wir auch auf die Kundgebung […]

Wir fordern: keine Repression wegen Sponti wärend Lockdown

(Stellungnahme von Betroffenen) Am 21. April 2020, kam es zu einer Spontandemo in Jena. Etwa 50 Menschen zogen mit Bannern vom Holzmarkt in Richtung Paradiespark. Sie wollten darauf Aufmerksam machen, dass Missstände auch während Corona keine Pause machen, sondern in dieser Zeit oft noch verstärkt auftreten. Den Teilnehmenden war es wichtig darauf hinzuweisen, das [...]

Keine fristlose Kündigung für Koch im Café Grünowski

Ein Koch des Cafés Grünowski und Mitglied der Basisgewerkschaft FAU Jena wird am 17. August 2020 vor dem Arbeitsgericht Gera zusammen mit der FAU gegen eine fristlose Kündigung vorgehen. Der betroffene Koch war, nachdem ihn der Inhaber körperlich bedroht hatte, vor Lokalschluss nach Hause gegangen. Dies nahm der Inhaber als Anlass, um den Betroffenen außerordentlich […]

Akzent bereit zu zahlen – Leiharbeitskonflikt findet erfolgreiches Ende

Die Verhandlungen mit der Akzent Personaldienstleistung GmbH sind zu einem erfolgreichen Ende gekommen: Die Leiharbeitsfirma erklärt sich bereit, mit 1200 Euro knapp zwei Drittel der geforderten Summe zu zahlen. Der ehemalige Leiharbeiter ist mit diesem Angebot einverstanden, die Einigung ist mittlerweile gerichtsfest. Gemeinsam mit der FAU Jena konnte der Leiharbeiter sich damit sowohl in der […]

Offener Brief an Café Immergrün

Unsere Intervention gegen die derweil beendete Ausstellung “The Wall” im Café Immergrün hat es bis in die OTZ geschafft (Link s.u.). Gerne möchten wir die notwendige Debatte über das Problem des israelbezogenem Antisemitsmus vertiefen und wenden uns nochmal an das Café Immergrün: “Liebes Team des Café Immergrün, sehr geehrter Herr Wagner, als wir unsere Kritik … Offener Brief an Café Immergrün weiterlesen

Leiharbeitskonflikt mit Akzent geht weiter, Verhandlungen laufen

Bei unserer letzten Kundgebung am 12. Juni 2020 bei der Akzent Personaldienstleistung GmbH in Jena haben wir dieser nochmal ein schriftliches Gesprächsangebot zukommen lassen und – als Zeichen guten Willens – für 14 Tage auf gewerkschaftliche Aktionen verzichtet. Am letzten Tag dieser Frist hat uns der Anwalt der Leiharbeitsfirma kontaktiert und ein erstes Angebot auf […]

Erfolgreiche Lohneintreibung bei Personalvermittlung STAFF4U

Bereits vor 4 Wochen wandte sich eine Austausch-Studentin mit einer offenen Lohnforderung und der Bitte um Unterstützung an die FAU Jena. Sie arbeitete im Januar für drei Tage in einem Promo-Job, der über die Personalvermittlung STAFF4U aus Hamburg vermittelt wurde. Doch nach erledigter Arbeit erfolgte keine Lohnzahlung durch die Firma. Mehrmaliges Nachfragen seitens der Betroffenen […]

FAU holt Lohn und Urlaub bei der Omnitrend GmbH raus

Am Montag vergangener Woche (15. Juni) hat die FAU Jena am Arbeitsgericht Leipzig für einen Minijobber bei der Omnitrend GmbH 600 € erstritten. Zuvor hatte Omnitrend das FAU-Mitglied – angestellt als Fahrgastbefrager – gekündigt und sich geweigert den ausstehenden Urlaub und den Lohn für den Zeitraum der Kündigungsfrist zu bezahlen. Unser Mitglied wurde im April […]

Antisemitismus entgegentreten – Für die sofortige Beendigung der Ausstellung „The Wall – Bilder aus Palästina“ im Café Immergrün in Jena

Das Café Immergrün ist ein beliebter Treffpunkt für Studierende und junge Familien in Jena. Unter anderem ist es für wechselnde Kunstausstellungen an seinen Wänden bekannt. Die aktuelle Ausstellung wurde von der Vizepräsidentin der Deutsch-Palästinensischen-Gesellschaft Ursula Mindermann konzipiert, der im vergangenen Jahr die Einreise nach Israel verweigert wurde. Ein Sachverhalt, der wenig verwunderlich ist, wenn man die … Antisemitismus entgegentreten – Für die sofortige Beendigung der Ausstellung „The Wall – Bilder aus Palästina“ im Café Immergrün in Jena weiterlesen

Konfliktpause im Leiharbeitsfall

Am 12. Juni hat die FAU Jena ihre zweite Kundgebung vor der Akzent Personaldienstleistung abgehalten. Bei strahlenden Sonnenschein wurden Passant*innen, Angestellte und Nachbarn über unsere Auseinandersetzung mit der Leiharbeitsfirma informiert. Da die Firma letzte Woche in der Presse Einigungsbereitschaft signalisiert hat, haben wir ihr nochmal ein explizites Gesprächsangebot zukommen lassen. Um die Verhandlungen nicht zu […]

Noch keine Zahlung in Sicht – Der Lohnkampf geht weiter!

Am Freitag den 12. Juni findet in der Rathausgasse 2 um 13:30 Uhr die nächste Kundgebung für den Kampf eines Leiharbeiters gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber statt. Am vorherigen Freitag, den 5. Juni hatte bereits eine erste Kundgebung stattgefunden. Diese war mit rund zwanzig Teilnehmern gut besucht und stieß auf großes Interesse und Medienecho. Der ehemalige […]

Nach abgewehrter Kündigung – jetzt gehts um den Lohn!

Ein ehemaliger Leiharbeiter bei Akzent Personaldienstleistungen und Mitglied der Basisgewerkschaft FAU Jena stellt Lohnnachforderungen an seinen damaligen Arbeitgeber. Der Leiharbeiter hatte am 01. April 2020 das Arbeitsverhältnis gekündigt. Nachdem ihm seit Januar desselben Jahres ca. 2000 Euro an Lohn vorenthalten wurden, fordert er diese nun mit Hilfe der FAU ein. Akzent Personaldienstleistungen stellt die Nachforderung […]

Lirabelle #22

Alle reden über Corona. Wir nicht. Oder zumindest nur ein bisschen. Schwerpunktthema dieser Ausgabe ist Sexismus. Aus Gründen: In den letzten Monaten häufen sich sexistische Vorfälle in der linken Szene: Übergriffe in Erfurt, eine Vergewaltigung in Gotha, Spanner auf Festivals und in linken WGs. Was ist los? Eine Erklärung wäre, dass gerade viele Männer durchdrehen, eine andere, dass heute vieles öffentlich wird, das früher eher unter den Teppich gekehrt wurde. Was auch immer zutrifft (vielleicht beides), Gegenwehr ist nötig. Unser Beitrag dazu besteht erst mal nur in Buchstaben, aber davon haben wir viele: Das Gespräch auf den Seiten 8-12 dreht sich um eine einfache Selbstverständlichkeit, die leider manche Genossen immer noch nicht kapieren: dass in einer durch Ungleichheit strukturierten Gesellschaft die selbe Handlung (das T-Shirt auszuziehen) sehr unterschiedliche Bedeutungen haben kann, je nachdem, welchem Geschlecht man angehört. Oder auch nicht angehört. Der anschließende Sachtext diskutiert die Widersprüche, in die wir uns verstricken, wenn wir (aus gutem Grund) dem Staat als ordnender Instanz misstrauen und daher einen selbstorganisierten Umgang mit Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen finden müssen. Zwei Beiträge im Kulturteil betrachten das Patriarchat von der Täterseite: Männlichkeit als autoritäre Formierung ist hier das Thema. Zwischen den Sexismus-Artikeln findet ihr wie immer News, eine Rezension, einen Debattenbeitrag zur Viruskrise und ein minutiöses Protokoll des Kemmerlich-Höcke-Putschs. Bis wir ganz am Ende – so viel Zugeständnis an den Zeitgeist muss sein – nochmal zum Virus kommen: Die Aluhut-Chroniken drehen sich um die Corona-Verschwörung. Die ja eigentlich wir angerührt haben, damit wir endlich genug Zeit haben, zuhause zu sitzen und diese Zeitung zusammen zu tackern. Wir wünschen viel Spaß damit.

Die Redaktion der Lirabelle 22

  • News
  • Warum wir auf Festivals vorerst unsere T-Shirts anbehalten
    Auf einem linken Festival im Sommer 2019 stand ein knapp bekleideter Frontman auf der Bühne und forderte das Publikum auf, sich auszuziehen. Er selber, sagte er, sei gerne nackt und wolle daher, dass auch alle anderen nackt sind. Alles andere als amused über die Relativierung von Sexismus und des Problems der Unmöglichkeit für Frauen, sich in der Öffentlichkeit (nackt) frei zu bewegen, ohne damit ungewollte Reaktionen zu evozieren – auch innerhalb der Linken* – wurde der Vorfall Gegenstand eines Gesprächs mit einem Typen, der die Empörung der beteiligten Frau nicht nachvollziehen konnte. Er äußerte schließlich, es sei unemanzipatorisch von Frauen, wenn diese auf Festivals ihr T-Shirt nicht ausziehen wollen. Konfrontiert mit diesemVorwurf tauschen sich Dracaena, Prinsepia und Helesia in einem lockeren Gespräch über die Gründe aus, aus denen sie dies nicht tun werden.
  • Antisexismus in Theorie und Praxis
    Im Artikel zeigt Hermine Danger auf, mit welcher Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit man es zu großen Teilen in der Linken zu tun hat, wenn Übergriffe und Vergewaltigungen in der eigenen Szene passieren.
  • Der Kemmerich-Höcke-Putsch – Das Minutenprotokoll
    In Thüringen fand am 5. Februar 2020 die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten statt. Die Auswirkungen dieses denkwürdigen Ereignisses wurden zu einem bundesweiten Politikum. Um diese Entwicklungen für die Nachwelt zu konservieren, gibt es hier das offizielle Minutenprotokoll von Ox Y. Moron.
  • Sind wir nicht alle links-grün verseucht? Eine Kritik am pandemischen Ausnahmezustand
    Anhand des Strategiepapiers des Bundesinnenministeriums zur Bekämpfung der Corona-Pandemie kritisiert Jens Störfried das aktuelle Krisenmanagement und seine potenziellen Folgen, die auch viele Linke leichtfertig in Kauf zu nehmen scheinen. Damit soll das Bewusstsein gestärkt werden, dass es auch bzw. gerade jetzt Kritik unter anderem an der halben Ausgangssperre und anderen autoritären Maßnahmen, sowie eine Weiterentwicklung unserer Vorstellungen von Solidarität braucht.
  • Der Dicke Mann
    Ein Wortschwall über Wichtigtuer. Von Jemandem.
  • „Bücher machen den Kopf kaputt!“
    Das Lieblingsfreizeitthema von Beta ist Sexualität und alles was dazu gehört. Bei ihren Dates mit Männern außerhalb ihres Klüngels macht sie so allerlei verwirrende Erfahrungen. In der Lirabelle schreibt sie in loser Folge aus feministischer Perspektive über ihre Erlebnisse.
  • Das organisierte Erbrechen
    „Das ist doch nur Spaß“ sagen die Leute, die finden, dass es voll witzig ist, eine Deutschland-Gemeinschafts-Party um 19.33 Uhr beginnen zu lassen, wie es in Erfurt am Rosenmontag passiert ist. Und wenn sie damit meinen: „Das ist typisch Karneval“ haben sie damit recht. Harry Schulz ist in einer rheinländischen Karnevalsfamilie aufgewachsen und kann einiges über das organisierte Erbrechen erzählen. Der Text thematisiert Sexismus, Rassismus, Sozialchauvinismus und sexualisierte Gewalt gegen Kinder.
  • „Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Exil.“
    Carola Miniapolis rezensiert ein Buch von Emmanuel Mbolela.
  • Repressionsschnipsel
  • Die Aluhut-Chroniken XVII – Die Corona-Verschwörung

Die Corona-Verschwörung

Ken Jebsen, hauptberuflich Verschwörungsantisemit und Selbstvermarkter, ist ein gemachter Mann. Im Rahmen der Corona-Pandemie und der einhergehenden Verunsicherung enormer Teile der Bevölkerung, hat Jebsen letztgenannten ein verlockendes Angebot auf seinem Kanal KenFM gemacht und verdient sich daran aktuell dumm und dämlich. Für Klicks auf mit Werbung vollgestopfte Clips, die sich Jebsen von Youtube gut bezahlen lässt, verkauft der Mann, der den Holocaust mal als Marketinglüge bezeichnete, beruhigendes Nichtwissen über die Pandemie mit dem Informationsgehalt: 1. alles nicht so wild, 2. den politischen Entscheidern geht es um etwas ganz anderes (Geld, Macht, Unterwerfung, etc.), 3. dem weltweiten Versuch, die „journalistischen“ Kritiker zum Verstummen zu bringen, widersteht nur einer mit geradem Rücken: Jebsen selber. Dafür lädt er sich allerlei „Experten“ ins Programm wie den pensionierten Ex-Politiker und Ex-Arzt Wolfgang Wodarg (SPD), der für ein bisschen Fame, nach dem Motto „Opa erzählt vom Krieg“, die Zuschauer aus seinem Erfahrungsschatz wissen lässt, was sie gerne hören wollen: ‚Ist nur eine Grippe, keine Sorge. Coronaviren gab es schon immer und überhaupt das bisschen Husten!‘ Tausende Tote in den USA, Italien, Spanien, Großbritannien? Nur wegen der unterentwickelten Gesundheitssysteme dieser Entwicklungsländer. Die Leute wären eh irgendwann gestorben.
Das trifft den Nerv nicht geringer Teile der Bevölkerung, die Munition brauchen, um die Pandemie klein zu reden, die täglich tausende Menschen in völlig überlasteten Krankenhäusern in Zeitlupe ertrinken lässt, weil es an Beatmungsplätzen fehlt, während sich die beidseitig entzündeten und überforderten Lungen der schwer an Covid19 Erkrankten mit Wasser füllen. Diese Schar der Verharmloser, die sich ihr eugenisches Menschenbild gerne weiß waschen wollen, beseelt im Wesentlichen das Denken: ‚Lasst doch die Oma sterben, ich will wieder zum Fußball.‘
Größere Uneinigkeit bei Jebsen, den Verschwörungsantisemiten und anderen Irren gibt es bei der Frage, wo das Virus herkommt. Einig ist man sich zwar, dass es sich bei der bürgerlichen Wissenschaft, die das Virus als Zufallsprozess der Natur erklärt und daher keinen Schuldigen sucht, um gesteuerte Mitverschwörer handelt. Der tatsächliche Urheber dieses Virus, sofern dessen Existenz nicht gleich geleugnet wird, wird aber gesucht zwischen CIA-Laboren, den Bevölkerungsaustausch planenden Migrationsbefürwortern, Zionisten und Gott, der die Menschen bestrafen will dafür, dass die Juden immer noch nicht vom Antlitz der Welt getilgt wurden.
An vorderster Front dieser Allianz der Verharmloser, allerdings vor allem im Interesse der an den Eindämmungsmaßnahmen notleidenden Wirtschaft, standen auch die politisch weit rechts stehenden, autoritären Regierungschefs etwa der USA, Russlands und Großbritanniens. Ihrem Zögern bei der Einleitung von Eindämmungsmaßnahmen verdanken tausende Menschen den Tod. Den britischen Regierungschef Boris Johnson brachte die „leichte Grippe“ selber auf die Intensivstation. Ob Ken Jebsen die selbe karmische Gerechtigkeit zuteil wird, ist derzeit ungewiss. Falls ja, gibt es dann eben einen Märtyrer mehr, den der Mossad auf dem Gewissen hat!

Repressionsschnipsel

Erfurt: Auf Protest gegen AfD-Wahlkampfabschluss folgt … Repression
Am 27.10.2019 fand in Thüringen eine Landtagswahl statt, die den Freistaat politisch noch lange beschäftigen sollte. Tags zuvor rief die AfD ihre Anhänger*innen auf den Domplatz zusammen. Dagegen protestierten unter dem Motto „Aufstehen gegen den Rechtsruck“ etwa 1000 Menschen. Aufgerufen hatten das Jugendverbände-Bündnis „Auf die Plätze“, „Aufstehen gegen Rassismus“ und das „Alles muss man selber machen“-Bündnis sowie zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteure. Auf dem Domplatz wurde ein Antifaschist von einem bereits bekannten Prügelbullen angegriffen und verletzt. Auf der Abschlusskundgebung am Bahnhof eskalierten die Cops erneut. Während die Demonstrierenden bereits in Unterzahl waren, griff das BFE nochmal durch, erzeugte Chaos und verletzte weitere Demonstrierende, denen nun diverse Straftaten vorgeworfen werden. Der Tag beschäftigt viele noch in Form von Ordnungswidrigkeits- sowie Strafverfahren. Die GdP verlangte von einem Genossen bereits Schmerzensgeld, während das Strafverfahren offiziell noch in der Ermittlungsphase steckt. Nicht mit uns, wir stehen zusammen gegen eure Repression!

19.2.20, Gotha: Verfahren eingestellt
Dreieinhalb Jahre ist es her, dass in Gotha eine Naziaktivistin gemeinsam mit ihrem damaligen Lebensgefährten drei Antifaschisten der Körperverletzung und des versuchten Raubs bezichtigte, worauf diesen in mehreren Anläufen über Jahre hinweg der Prozess gemacht wurde. Beim vierten Anlauf wurde zur Überraschung aller Beteiligten das Verfahren eingestellt. Einen ausführlichen Prozessbericht gibt es auf der Seite der Roten Hilfe Südthüringen.

„Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Exil.“

Carola Miniapolis rezensiert ein Buch von Emmanuel Mbolela.

Ein kritischer Student schreibt ein Buch. Das ist ja nix Neues. Aber wenn dieser Student im Kongo studiert hat und dort im Gefängnis war und fliehen musste, um sein Leben zu retten, wenn ihn dann sein Weg über viele verschiedene Länder und durch die Sahara geführt hat, bevor er mehrere Jahre in nordafrikanischen Ländern illegalisiert leben musste, weil der Weg ins sicher erscheinende Europa blockiert war: dann kann er was erzählen!
Mbolela erzählt unter Anderem über Repression in der von Europa unterstützten kongolesischen Diktatur; Flucht und Fluchthelfer; dem langen und gefährlichen Weg durch die Sahara; der unüberwindlichen Mauer zur Festung Europa mit ihren blutigen Außengrenzen; und von der Ankunft in Europa, nach der eben doch nicht alles gut wurde; aber vor allem von Selbstorganisation und Widerstand – weltweit.
Und das macht er schonunglos gegen sich selbst und andere. Er analysiert und kritisiert, aber er erzählt auch Persönliches und gibt Einblick in viele verschiedene Lebensgeschichten von Menschen auf dem Weg nach Europa.
Wenn du auch keinen blassen Schimmer von der Geschichte und der Politik im Kongo und seinen Nachbarstaaten hast und das ändern willst, bist du bei diesem Buch genau richtig. Wenn du denkst, das Mittelmeer ist die einzige tödliche Gefahr auf den Fluchtwegen nach Europa, dann kann dieses Buch deinen Horizont erweitern. Wenn du Menschen, die als Geflüchtete bezeichnet werden, bisher eher als passive, hilfsbedürftige Menschen ohne viel Bildung wahrgenommen hast, mach dich auf eine Überraschung gefasst!
Neben all diesen Aspekten ist das Buch auch für alle hoch interessant, die an politischen Analysen postkolonialer Weltpolitik interessiert sind und einen Einblick in Strukturen und Strategien für solidarische politische Kämpfe weltweit erhaschen wollen.

Emmanuel Mbolela: Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Exil.
224 Seiten, 14.90 €
Mandelbaum-Verlag, Wien

Das organisierte Erbrechen

„Das ist doch nur Spaß“ sagen die Leute, die finden, dass es voll witzig ist, eine Deutschland-Gemeinschafts-Party um 19.33 Uhr beginnen zu lassen, wie es in Erfurt am Rosenmontag passiert ist. Und wenn sie damit meinen: „Das ist typisch Karneval“ haben sie damit recht. Harry Schulz ist in einer rheinländischen Karnevalsfamilie aufgewachsen und kann einiges über das organisierte Erbrechen erzählen. Der Text thematisiert Sexismus, Rassismus, Sozialchauvinismus und sexualisierte Gewalt gegen Kinder.

Ich bin in einer Karnevalsfamilie aufgewachsen. Was bedeutet: Sowohl meine Eltern als auch meine Großeltern waren im Karnevalsverein. Mein Vater erzählt stolz, dass er mich nach der Geburt erst beim Verein und danach beim Standesamt angemeldet hat. Ich habe mit 15 den Absprung geschafft. Meine Eltern erzählen mir aber regelmäßig von den Leuten, die ich als Kind im Verein kennengelernt habe. Nicht wenige haben heute ihrerseits Kinder, die dann in vierter Generation dabei sind. Will sagen: Wenn man einmal richtig drin ist, kommt man – wie bei allen destruktiven Kulten – nicht mehr so leicht wieder raus.
Der Karnevalsverein war der Verein der sozialdemokratisch geprägten Verwaltungsbeamten. Auch das muss man in Thüringen vermutlich erklären: Die Vereine sind nach sozialem Milieu differenziert. Mein Club war nicht herausragend reaktionär. Die Blauen Funken (ein Bauunternehmer, seine Verwandtschaft und seine Arbeiter*innen) zum Beispiel waren schlimmer, die haben regelmäßig andere Jecken verdroschen. Massenschlägereien gab es jedes Jahr. Und der Jugendwart der Prinzengarde (Katholiken, CDU) wurde seines Postens enthoben, weil er eine Beziehung zu einer Jugendlichen begonnen hatte. Aber es soll hier nicht um einzelne Vereine gehen.
Guckt man sich so ein Corps – die aktiven Vereinsmitglieder*innen – an, so fällt erst mal auf: Die Männer nennen sich „Gardisten“ und tragen Kostüme, die an historische Militäruniformen erinnern, komplett mit Säbel und Gewehr. Die Frauen (verniedlichend genannt „Funkemariechen“) tragen Uniformjacken, darunter kurze Röcke und hochhackige Stiefel. Beides eine überdeutliche Geschlechterperformance, die durch die Formationstänze noch gesteigert wird: Die Gardisten marschieren, die Mariechen werfen Beine und zeigen ihre spitzenbesetzte Unterwäsche. Wohlbemerkt: Das gilt auch für kleine Kinder, die damit lernen, wofür sie qua Geschlecht geschaffen sind – stark sein und marschieren oder aber für besoffene Männer Haut und Spitze zeigen. Man könnte jetzt sagen, es sei sexistisch und überhaupt voll Kacke, Kinder, die gerade laufen können, in sexualisierte Kostüme zu stecken. Und damit meine ich beide Varianten: der symbolische Phallus des Gewehrs, wie die Lolita-Darbietung im knappen Röckchen. In der Kleinstadt, über die ich hier schreibe, war es eine GRÜNEN-Abgeordnete, die Anfang der 1990er-Jahre im Stadtrat sagte, Karneval sei sexistisch. Der Zorn der Volksgemeinschaft brach über sie herein und es war niemand anderes als der amtierende Karnevalsprinz, der einen erbosten Text schrieb, der das Gegenteil beweisen sollte. Veröffentlicht wurde der Text in der Lokalzeitung unter dem Namen eines Funkemariechens.

Sexismus, Rassismus, Sozialchauvinismus

Dass Sexismus, Rassismus und auch Sozialchauvinismus sich von der Prinzenproklamation am 11.11. bis zum Katerfrühstück am Aschermittwoch ziehen, merkt man auch an den Büttenreden. Für eine Büttenrede stellt sich ein hyperselbstbewusster Mann verkleidet in ein Fass (eine Bütt) und trägt eine gereimte Rede vor. In Verkleidung und Text wird dabei eine Rolle eingenommen, oft eine proletarische. Also Baustadtrat X, Rechtsanwalt Y oder Verwaltungsbeamter Z verkleidet sich als Bergmann, Dienstbote oder Bauarbeiter und hält eine launige Rede über das, was er für Volkes Stimme hält. Doppelter Gewinn für die herrschende Klasse: Die Redner können gleichzeitig rassistischen und sexistischen Scheiß erzählen und sich über das Proletenpack erheben, das sie darstellen. Und wenn nach Karneval alles vorbei ist, können sie wieder mit gebügeltem Hemd und Krawatte konstatieren, dass Volkes Stimme nach harter Hand verlange. Die Rollen-Redner bilden sich ein, sie seien die Elite der Karnevalisten, weil sie über Politik reden. Und, ich gebe zu, nicht alle sind kreuzreaktionär. Einer von 20 sagt auch mal was Vernünftiges. Aber: Je sexistischer und platter die Rede, desto mehr Applaus. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Rednern, die einfach nur (ohne Rollenspiel und Bütt) auf der Bühne Witze erzählen. Wer das noch nicht erlebt hat, kann es sich vielleicht nur schwer vorstellen. Richtig gute Stimmung kommt auf, wenn erwachsene Männer auf der Bühne über Pipi-Kacka-Popo reden. Ein Witz, dessen Pointe ist, dass der Bürgermeister auf dem Marktplatz gepupst hat? 500 angetrunkene Spießbürger liegen auf dem Boden vor Lachen. Das Thema des Witzes – eine Autoritätsfigur pupst – zeigt die Harmlosigkeit der konformen Revolte, die hier vor sich geht: Gerade weil man an Karneval mal herzlich mit den hohen Herren über die hohen Herren lacht, die ja auch nur allzu menschlich sind, ist man danach umso verbundener mit der Herrschaft.

Erzwungene Küsse

Der Sexismus des Karnevals ist unter anderem institutionalisiert in der Praxis des „Bützje“, rheinisch für Küsschen. Während der tollen Tage kann jede*r zu jeder Zeit „Bützje“ rufen, was die Angerufenen dazu verpflichtet, sich gegenseitig zu umarmen und auf die Wange zu küssen. Ob diese das wollen oder nicht, ist völlig gleichgültig. Übergriffigkeit ist damit fest als soziale Norm verankert. Um mal ein Beispiel zu nennen: Ein kleiner Junge führt etwas vor und bekommt danach von einem Funkemariechen einen Orden überreicht. 500 betrunkene Spießbürger gröhlen „Bützje“ und die beiden müssen sich umarmen und küssen. Ich fand‘s ekelhaft und habe ein entsprechendes Gesicht gemacht, interessiert hat das niemanden. Für die Mädchen im Verein war es ungleich schlimmer. Und natürlich erzählen sich die männlichen Jugendlichen im Verein, welche jungen Frauen man gebützt habe („Hö, hö, hö“) und an welchen abseitigen Orten es dann zu Geschlechtsverkehr gekommen sei. Solche Geschichten kennt jeder Junge vom Schulhof. Aber die in der Bützje-Regel ritualisierte Übergriffigkeit der Karnevalstage bildet einen sozialen Rahmen, in dem die Objektifizierung von Frauen nicht nur akzeptiert, sondern sogar geboten ist. Dass es in den meisten Karnevalsvereinen weit mehr Frauen als Männer gibt, letztere allerdings alle entscheidenden Stellen besetzen und den Ton angeben, passt dazu. Es ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte, dass es in Köln, wo diese patriarchalen Verhältnisse jedes Jahr fünf Tage lang hemmungslos abgefeiert werden, ein Riesen-Skandal wird, wenn Nichtdeutsche sexuell übergriffig sind wie zu Silvester 2015. Andererseits auch wieder nicht: In meiner Kleinstadt lief der Karnevalszug durch eine Gasse, die einen schlechten Ruf hatte. In jener Gasse bildeten die Gardisten meines Vereins einen Wanderkessel um die Funkemariechen – um zu verhindern, dass sie von Arbeitslosen und Bauarbeitern (statt von Baustadträten und Anwälten) gebützt wurden. In meiner Kleinstadt wie in der Debatte um die Silvesternacht geht es darum, wer legitimen Zugriff auf die Frauen der eigenen Gruppe hat.

Gewaltverhältnisse

Wichtigtuerische Männer, zur Zierde herumhopsende Frauen. Kein Wunder, dass hier Übergriffe alltäglich sind. Die verordneten Küsse sind nur die Spitze des Eisbergs. So wussten wir 12- bis 15-Jährigen im Kleinstadt-Verein damals, dass ein erwachsenes Vereinsmitglied seine Tochter sexuell missbraucht. Ich erinnere mich nicht, woher wir es wussten. Wenn man es aber wusste, waren die Übergriffe (in der Öffentlichkeit) kaum zu übersehen. Wir Kinder und Jugendliche waren von der Situation völlig überfordert und haben nie mit der Betroffenen darüber geredet. Und auch nicht mit den Erwachsenen im Verein. Ich weiß nicht mehr, wieso nicht – vielleicht, weil es schwer ist, Vertrauen zu Leuten zu haben, die ständig betrunken und daher nicht zurechnungsfähig sind?
Das Ganze ist jetzt mehr als 30 Jahre her. Ich kann mir heute rational erklären, wie die geschilderten sozialen Verhältnisse zustande kamen – Zwangsgemeinschaft, Patriarchat, Ignoranz, Weglachen und organisiertes Verschweigen der Gewaltverhältnisse. Wenn ich darüber nachdenke, bin ich aber immer noch wütend und fassungslos, unter anderem darüber, dass die Erwachsenen im Verein nichts getan haben. Ein paar Jahre nachdem ich als Jugendlicher den Absprung geschafft habe, habe ich mal nachgefragt, wieso nicht. Die Befragten gaben vor, von nichts gewusst zu haben.
Also nochmal zurück an den Anfang: Ich weiß, dass der hier beschriebene Verein kein besonders reaktionärer war. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich im Karneval nicht viel verändert hat. Insofern ist es im Karneval tatsächlich „nur Spaß“, wenn man 19.33 Uhr eine Deutschland-Gemeinschafts-Party feiert. Weil Karneval im Kern daraus besteht, dass man todernste Gewaltverhältnisse als Spaß aufführt.
Ich denke für die nächste Karnevalssession auf jeden Fall darüber nach, ein Aussteiger*innenprogramm zu gründen. Gibt es schließlich für andere destruktive Kulte auch.


Die GRÜNEN und der Karneval
In den 1990er-Jahren waren die GRÜNEN noch eine linke Partei, die wenig mit Karneval zu tun hatte – was allerdings auch bedeutete, dass die Partei von bestimmten Netzwerken ausgeschlossen war: In der Kleinstadt, über die ich schreibe, wurde so manche kommunalpolitische Entscheidung nicht im zuständigen Ausschuss, sondern an der Theke getroffen. Neben der Theke waren die Ehrenoffizierscorps eine wichtige Institution, um Strippen zu ziehen. Hier wurden keine Prunksitzungen oder Festwagen organisiert. Es ging vielmehr darum, welcher Verein welche Honoratioren an sich binden und damit hilfreiche Netzwerke anbieten und nutzen konnte. Um hier nicht auf Dauer am Rand zu stehen, mischen seit einigen Jahren auch die GRÜNEN beim organisierten Erbrechen mit.